Editorial
Dipl.-Ing. Peter Fuhrmann
Vorsitzender der IGKB
Ministerialdirigent
Dem Bodensee geht es heute weitaus besser als in den siebziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Dank eines umfassenden Aktionsprogramms konnte die dem See zufließende Phosphatmenge soweit reduziert werden, dass der See heute wieder so sauber ist wie vor der Eutrophierung, der unnatürlichen Anreicherung mit Nährstoffen. Das heißt allerdings nicht, dass der See wieder völlig intakt ist: Nach wie vor hat der Mensch mit seiner jahrhundertelangen Bautätigkeit tiefe Spuren insbesondere am Ufer hinterlassen, dem Teil des Sees, dem ökologisch gesehen ein besonders hoher Stellenwert zukommt. Daher hat es sich die Internationale Gewässerschutzkommission für den Bodensee zum Ziel gesetzt, die Situation der Ufer- und Flachwasserzone erheblich zu verbessern.
Nun weiß auch die IGKB, dass – insbesondere infolge der weltweiten Finanzkrise – in jüngster Zeit Geld noch knapper geworden ist. Gleichwohl hält sie eine Verbesserung der derzeitigen Situation am Seeufer nach wie vor für dringend erforderlich. Zum einen folgt aus der europäischen Wasserrahmenrichtlinie, dass hier im Sinne eines ganzheitlichen Gewässerschutzes Renaturierungen vorgenommen werden sollen. Zum anderen ist ein ökologisch intaktes Ufer für einen „gesunden“ See unerlässlich. Es macht ihn gegen eventuelle negative Einflüsse unempfindlicher. Und schließlich erfreut ein naturnahes Ufer die meisten Menschen mehr als eine mit Beton und Steinen zugepflasterte Landschaft.
Die IGKB bittet daher die an den See angrenzenden Länder und Kantone, mit der Renaturierung intensiv verbauter und in ihrer natürlichen Funktion stark beeinträchtigter Uferabschnitte eine Aufgabe anzugehen, die zukünftig dem Bodensee und damit den nachfolgenden Generationen zugute kommen wird. Die Sachverständigen der IGKB haben das Renaturierungspotential jetzt festgestellt. Danach könnten viele Bereiche weitaus natürlicher gestaltet werden als sie es heute sind. Allerdings ist der IGKB auch klar, dass die Umsetzung der hierzu erforderlichen Maßnahmen ein langwieriger Prozess sein wird. Wir wollen jedoch die Herausforderung annehmen und langfristige Verbesserungen der ökologischen Funktion der Ufer- und Flachwasserzone erzielen.
Als Vorsitzender der IGKB habe ich mir das Ziel gesetzt, die ökologische Aufwertung der Seeufer auch in wirtschaftlich nicht so üppigen Zeiten voranzubringen – eine gleichermaßen notwendige wie sinnvolle Zukunftsinvestition. Ich hoffe, dabei auf die Akzeptanz der Menschen rund um den See setzen zu können. Und auch, dass die Gemeinden und Städte am See ein Interesse an ökologisch intakten Ufern haben und sich an der Renaturierung besonders stark verbauter Uferabschnitte tatkräftig beteiligen werden – nicht zuletzt aus wirtschaftlichem Interesse: Naturnah gestaltete Ufer sind nicht nur für die einheimische Bevölkerung attraktiv, sondern auch für Ausflugs- und Urlaubsgäste.