Das Hochwasser im Juni 1910
 

Eisenbahnen, die durchs Wasser pflügen, Uferpromenaden, von denen nur noch die Bäume aus dem Wasser ragen: Das Hochwasser im Juni 1910 sorgte am Bodensee für spektakuläre Überschwemmungen. Auch in anderen Alpenseen trat das Wasser über die Ufer. So wurde beispielsweise am 17. Juni 1910 am Vierwaldstätter See in der Schweiz ein Rekordpegel gemessen, der seit Menschengedenken zuvor nicht erreicht worden war.

Ab dem 10. Juni 1910 war es erst zu leichten und dann zu immer stärkenen und schließlich katastrophalen Regenfällen gekommen. Am 14. Juni war dabei rund die Hälfte der gesamten Niederschlagsmenge in dieser Zeit vom Himmel gefallen. „Die Fläche der katastrophal überregneten Gegenden war ziemlich ausgedehnt, und zwar hatten die östlichen Gehänge des Rheintales von Feldkirch bis Bregenz samt dem Gebiete der Dornbirner Ache und einem Teile der Bregenzer Ache, zusammen eine Fläche von 525 Quadratkilometer, einen mittleren Tagesniederschlag von mehr als 150 Millimeter empfangen“, hieß es später in dem „Amtlichen Fachblatt Österreichische Wochenschrift für den öffentlichen Baudienst“.


Rorschach, 28. Juni 1910: nach massiven Regenfällen stand die Hauptstraße unter Wasser und die Züge fuhren sozusagen im Bodensee. Foto: Henzi/Hane

Bei solch enormen Regenmengen und weil sich die Regenfälle zudem „in der Periode der lebhaften Schneeschmelze“ einstellten, traten die Bäche und Flüsse rasch über die Ufer. Die Wasserfluten und auch die abgelagerten Schlammmassen richteten enorme Schäden an. Auch der Bodensee konnte die enormen Zuflüsse nicht auffangen – bis zum 4. Juli waren die Ufer über weite Strecken überschwemmt. „Der Fußgängerverkehr war nur auf Notstegen möglich“, hieß es dazu in dem Bericht.

An das Rekordhochwasser im Jahr 1817 mit einem Pegelstand von 623 Zentimeter kamen die Überschwemmungen im Jahr 1910 mit ihrem Pegelstand von 557 Zentimeter allerdings nicht heran – sie stehen heute an der 6. Stelle der „Hochwasser- Hitliste“. Das Pfingsthochwasser von 1999 nimmt mit 564 Zentimeter übrigens die vierte Stelle ein.