Aufbruch zu neuen Ufern
Noch ist mehr als die Hälfte der Uferstrecke des Bodensees in einem vom Menschen nachteilig beeinträchtigten Zustand. Das soll sich allerdings in Zukunft ändern.
 

Der Bodensee liegt mitten in einer kulturell und wirtschaftlich bedeutenden Region Mitteleuropas. Das fordert von der Natur seinen Tribut: Gerade einmal 20 Prozent seiner Ufer gelten einer Untersuchung der Internationalen Gewässerschutzkommission für den Bodensee (IGKB) zufolge als natürlich. Immerhin 20 Prozent können als naturnah eingestuft werden. Um den Zustand der restlichen 60 Prozent der Uferstrecke zu verbessern, hat die IGKB vor nunmehr sechs Jahren das Aktionsprogramm mit dem Schwerpunkt Ufer- und Flachwasserzone ins Leben gerufen.

Das Programm sieht als letzten Schritt vor, einen seeumfassenden Renaturierungsprozess zu initiieren. Dazu wurde zum einen ein Renaturierungsleitfaden erstellt, an dem sich die Städte und Gemeinden entlang des Seeufers orientieren können, wenn sie entsprechende Renaturierungsmaßnahmen durchführen wollen. Mit dem jetzt festgestellten Renaturierungspotenzial haben die Kommunen mit Hilfe von Google Earth nun eine weitere wertvolle Orientierung an der Hand, an welchen Uferabschnitten die effektivsten und aussichtsreichsten Möglichkeiten für eine Verbesserung der derzeitigen Situation bestehen.

Es wird auch eingeräumt, dass sich einige Uferstrecken wohl kaum renaturieren lassen, sei es, weil auf den Ufermauern Gebäudegründen, Uferabschnitte unter Denkmalschutz stehen – wie zum Beispiel im Lindauer Villengebiet – oder sich schützenswerte Strandrasen vor den Uferbefestigungen gebildet haben. Insgesamt jedoch stufen die IGKB-Experten zwei Drittel des Obersees und vier Fünftel des Untersees als potenziell natürlich oder naturnah ein – eine durchaus erfreuliche Perspektive für den See.

Das vorrangige Ziel der Seenschützer ist es, unnatürliche Uferbefestigungen wie Mauerwerk, betonierte Flachufer oder auch massive Blockböschungen zu entfernen und so umzugestalten, dass eine natürliche Vegetation entstehen kann. Damit lässt sich dann zumeist auch erreichen, dass das Ufer mit dem Hinterland verbunden wird – also durchgängig wird, wie die Fachleute sagen.

Ferner sollten aus ökologischer Sicht überall dort, wo es möglich ist, Buhnen, Stege, Zäune, Einzelbojen und Kleinhäfen entfernt werden. Sinnvoll ist es auch, bereits seit langem genehmigte Anlagen wie Stege und Plattenwege zusammenzulegen und ihre Nutzungen zu konzentrieren. So dürfte meistens eine Trailerschräge pro Hafenanlage genügen.

Bei der naturnahen Gestaltung sollten besonders wertvolle Biotope wie zum Beispiel Bach- und Flussmündungen bevorzugt berücksichtigt werden. Und bei den Ufergehölzen sind Baum- und Buschgruppen sinnvoller als einzelne Pflanzen, meinen die Experten.


Mit Hilfe von Google Earth können die Kommunen – wie hier zum Beispiel Unteruhldingen – gut erkennen, wo ökologische Verbesserungsmöglichkeiten an denjenigen
Uferabschnitten bestehen, für die sie zuständig sind.
Bilder: Institut für Seenforschung/Obad