Der Bodensee – ein uralter Kulturraum
Ob Steinzeitmenschen, Römer oder der moderne Mensch: seit jeher war der Bodenseeraum ein attraktives Siedlungsgebiet. Das reichhaltige kulturelle Erbe birgt aber auch die Verpflichtung, es zu erhalten.
 

Sie gehören mit zu den größten Attraktionen am Bodensee: die nachgebauten Pfahlbauten bei Unteruhldingen. Sie vermitteln einen guten Einblick in das Leben unserer Vorfahren in der Steinzeit. Rund um den See sowie an den kleinen Seen im Voralpenland haben die Archäologen bisher an mehr als hundert Stellen Reste von Pfahlbauten und Feuchtbodensiedlungen gefunden. Sie stammen aus der Zeit von 4300 bis 850 vor Christus, also von der Jüngeren Steinzeit bis zur Bronzezeit.

Seit alters her laufen am Bodensee wichtige Verkehrsverbindungen zusammen. Zum einen führen sie als Nord-Süd-Verbindung über die Alpen, zum anderen stellen sie eine Verbindung auf der Ost-West-Achse dar. Außerdem bot die Lage am Ufer einen guten Schutz gegen Tiere und Feinde. Und der See war nicht nur ein vergleichsweise bequemer Fahrweg, sondern bot auch mit seinen Fischbeständen eine sichere Nahrungsquelle.


Einblicke in die Geschichte des Bodensees. die nachgebauten Pfahlbauten bei Unteruhldingen. Foto: Grohe

Später prägten die Römer den Bodensee. Im 4. Jahrhundert nach Christus gab der bekannte Geschichtsschreiber Ammianus Marcellinus einen vielsagenden Einblick in das Leben der damaligen Zeit: „Wegen der schrecklich rauen Wälder gibt es keinen Zugang zum See außer dort, wo die altbewährte und nüchterne römische Tüchtigkeit eine breite Straße angelegt hat, trotz des Widerstandes der Barbaren, der Natur der Gegend und des unwirtlichen Klimas.“

Obwohl die Römer zweifellos den See mit Schiffen befahren hatten, wurden bis heute keine Wracks aus dieser Zeit gefunden. Dafür sind bisher zahlreiche Reste von Schiffen aus dem Mittelalter entdeckt und teilweise geborgen worden. Der jüngste Fund stammt vom Winter 2006. Damals entdeckte ein Anwohner beim Schlittschuhlaufen vor der Insel Reichenau bei Niederzell ein etwa neun Meter langes Boot. Genauere Untersuchungen ergaben, dass das aus Eiche gebaute Holzschiff aus dem 14. Jahrhundert stammt.


Bergungsarbeiten an einem im Jahr 2006 gefundenen Schiffswrack. Foto: Mainberger

Der Fund ist ein trauriges Beispiel dafür, wie schnell unersetzliche Kulturdenkmäler zerfallen können, wenn sie insbesondere bei Niedrigwasser Wind und Wellen ausgesetzt sind. Als das Schiff entdeckt wurde, war der Schiffsrumpf noch in einem Stück. Doch bereits im Frühsommer 2007 waren durch äußere Einflüsse zahlreiche Teile aus dem „konstruktiven Verband“ gerissen worden, wie die Archäologen von der Arbeitsstelle Hemmenhofen des baden-wüttembergischen Landes denkmalamtes berichteten. Zudem lagen rund um das Wrack verstreut zahlreiche Teile der Boden- und Seitenbeplankung.

Die Archäologen mussten also handeln, sollte das Wrack nicht noch weiter unwiederbringlich zerstört werden. So wurden Anfang November 2009 alle aus dem Boden ragenden Teile des Schiffes – vor allem Spanten und Bodenplanken – geborgen und zur Konservierung eingelagert.

Archäologische Forschung

Auch heute noch stecken die Holzpfähle, die unsere Vorfahren vor einigen tausend Jahren in den Schlamm gerammt haben, zu tausenden in den Flachwasserzonen des Sees. An vielen Orten sind diese Kulturdenkmäler jedoch akut bedroht. Die Gründe für die Gefährdung werden derzeit in einem grenzüberschreitenden, von der EU geförderten Projekt
untersucht: „Ufererosion und Denkmalschutz: Entwicklung von Handlungsoptionen zur Bewahrung des Kulturerbes in der Flachwasserzone des Bodensees und des Zürichsees“. Dabei werden auch Möglichkeiten geprüft, wie mit technischen Mitteln diese Kulturgüter am besten geschützt werden können. Auch das 2006 vor der Reichenau gefundene Schiffswrack wurde in dieses Programm aufgenommen.