Ist der See für die Zukunft gerüstet?
Das Klima erwärmt sich – auch im Bodenseeraum. Für den See selbst könnte dies weitreichende Folgen haben. Die Fachleute sehen in einem sauberen See den besten Schutz gegen mögliche negative Folgen der Klimaerwärmung.
 

Der Trend ist unverkennbar: Seit den frühen 1960er Jahren sind die Temperatur-Jahresmittelwerte in der Luft in Konstanz um etwa 0,05 Grad Celsius pro Jahr gestiegen. Beim Wasser – in 0,5 Meter Tiefe in Seemitte gemessen – fiel der Anstieg zwar etwas moderater aus, mit 0,03 Grad war aber diese Zunahme beeindruckend hoch.

In 40 Jahren wird die Lufttemperatur den Prognosen zufolge im Sommer im Durchschnitt bei rund 15 Grad liegen, also noch einmal etwa eineinhalb Grad höher als heute. Und im Winter sollen es dann mit prognostizierten 4,5 Grad Durchschnittstemperatur sogar zwei Grad wärmer sein als heute. Nicht ohne Folgen bleiben wird auch das jahreszeitlich veränderte und zudem verstärkte Abschmelzen von Schnee und Gletschern im Alpenraum. Und wenn die Prognosen zutreffen, dann werden wegen der höheren Temperaturen in der Atmosphäre auch verstärkt Unwetter und andere extreme Wettereignisse den Bodensee heimsuchen.


Unwetter am Bodensee werden im Zuge der Klimaerwärmung intensiver werden. Foto: Grohe

Das sind wenig erfreuliche Aussichten. So werden die schon heute spürbaren verstärkten Wasserschwankungen mit auf die Klimaerwärmung zurückgeführt. Außerdem wirkt sich das veränderte Temperaturregime ganz offensichtlich auf das Schichtungs- und Durchmischungsverhalten des Bodensees aus. Dabei besteht die Gefahr, dass Jahre mit einer tiefreichenden Auskühlung des Sees seltener werden – und damit verbunden auch die Erneuerung des Tiefenwassers mit sauerstoffreichem Oberflächenwasser. Weil der See sich bei höherer Temperatur tendenziell früher im Jahr erwärmt, kann er auch zeitiger im Jahr eine Schichtung aufbauen. Auch dies wirkt einer im Spätwinter entstehenden Durchmischung entgegen.

Klar ist schon heute, dass sich die Klimaveränderungen in vielfältiger Weise auf Fauna und Flora auswirken werden. Und dass auch die Nutzung des Sees davon betroffen sein wird – mit Folgen, die weit über trockene Ufer und damit unzugängliche Hafenplätze hinausreichen werden.


Bei höheren Temperaturen werden die Gletscher aus den
Alpen verschwinden. Foto: Grohe

Glücklicherweise tragen jedoch die jahrzehntelangen Bemühungen um die Reinhaltung des Sees nun Früchte: Selbst nach einem vergleichsweise warmen Winter mit unzureichender Durchmischung sind – dank der geringeren mikrobiellen Abbautätigkeit – die Sauerstoffwerte in der Tiefe noch so gut, dass keine unmittelbare Gefahr für den See besteht. Viele Winter mit ungenügender Durchmischung dürfte allerdings auch der nun wieder deutlich sauberere Bodensee kaum verkraften. Die Erforschung möglicher Reaktionen des Sees auf die Klimaerwärmung ist daher ein wichtiges neues Aufgabengebiet der Seenforscher.

Unterstützt werden sie unter anderem auch von der Internationalen Gewässerschutzkommission für den Bodensee (IGKB). Eine wertvolle Hilfe ist dabei das neue Informationssystem Bodensee-Online. Dieses umfangreiche elektronische Werkzeug soll dazu genutzt werden, verschiedene Szenarien zu modellieren und so die Folgen der Erwärmung auf den See besser einschätzen zu können. Dabei soll insbesondere die Erneuerung des Tiefenwassers und die vom Nährstoffgehalt abhängige Sauerstoffzehrung in der Tiefe des Sees bei verschiedenen Klimaszenarien berechnet werden.

Mit den Ergebnissen wollen dann die Seenkundler Aussagen darüber machen, wie sich der Nährstoffgehalt in Abhängigkeit von der Entwicklung des Klimas auf den Bodensee auswirkt. Grundsätzlich kann davon ausgegangen werden, dass höhere Seetemperaturen eine vermehrte Biomasse-Produktion mit sich bringen dürften und darauf hin die Sauerstoffzehrung in der Tiefe wieder zunimmt. Dies aber kann die erreichte Stabilität des Sees gefährden, was eine fatale Entwicklung für den Bodensee wäre. Umso wichtiger ist daher die langfristige Sicherung des augenblicklich guten und stabilen Zustands des Sees.