Die Renaturierung der Seeufer
Nach den Maßnahmen zur Reinhaltung des Sees ist die Revitalisierung der Ufer eine weitere wichtige Aufgabe der IGKB. Doch die Verbesserung der Situation ist mühsam und langwierig.
 

„Auf zu neuen Ufern“ heißt die Broschüre, welche die Internationale Gewässerschutzkommission für den Bodensee unlängst veröffentlicht hat. Damit will sie für mehr Uferschutz werben. Und das ist auch dringend erforderlich: Auf weiten Strecken sind die Ufer durch Mauern, Aufschüttungen und Nutzungen beeinträchtigt – zum Beispiel durch Einrichtungen für Wassersport und Tourismus.

Wie die im Jahr 2006 im Auftrag der IGKB vorgenommene Uferbewertung ergeben hat, können nur noch jeweils 20 Prozent des gesamten Ufers in die Kategorie natürlich beziehungsweise naturnah eingestuft werden. Als beeinträchtigt gelten 19 Prozent, als naturfern 37 Prozent und als naturfremd – die schlechteste Stufe – immerhin vier Prozent. Das größte Problem: durch die Verbauung fehlt vielerorts die Vernetzung der Lebensräume, und zwar sowohl zwischen Ufer und Hinterland als auch zwischen einzelnen Uferabschnitten.

Um diese naturferne Situation zu verbessern, hat die IGKB im Rahmen ihres Aktionsprogramms Ufer- und Flachwasserzone den „Renaturierungsleitfaden Bodenseeufer“ veröffentlicht. Außerdem ist sie der Frage nachgegangen, wo die Ufer ökologisch aufgewertet werden sollten.


Hier kann sich keine natürliche Tier- und Pflanzengesellschaft mehr ausbilden. Foto: ISF

Die IGKB kann selbst allerdings keine Maßnahmen ergreifen, sondern diese nur den zuständigen Behörden empfehlen. Daher dient nun das für das gesamte Seeufer erfasste Renaturierungspotenzial als Grundlage für entsprechende Gespräche mit den Gemeinden und Fachdienststellen rund um den See. Dabei hat die IGKB mit dem Renaturierungsleitfaden den letztlich zuständigen Städten und Gemeinden ein Handbuch zur Verfügung gestellt, mit dessen Hilfe vor Ort ökologisch fundierte und seeweit koordinierte Verbesserungsmaßnahmen durchgeführt werden können.

Als Vorbild für die Gestaltung dienen dabei natürliche Uferabschnitte in der Nachbarschaft. Auch gilt die Prämisse, dass vom Menschen veränderte Ufer zurückgebaut werden müssen und nicht einfach vor den Mauern ein neues Ufer aufgeschüttet wird. Dabei sollen nur bodenseetypische Materialien verwendet werden.

Der Weg zu einer Verbesserung der Ufersituation ist allerdings ebenso mühsam und langwierig wie die Rückführung des Sees in einen nährstoffarmen Zustand. Immerhin sind seit Mitte der 1970er Jahre bis heute bei über 90 Maßnahmen etwa 35 Kilometer Boden seeufer renaturiert worden.

Damit aber noch mehr Ufer wieder in einen natürlicheren Zustand zurückversetzt werden können, bedarf es neben dem Fachwissen auch hoher finanzieller Anstrengung. Unerlässlich ist zudem die Mitarbeit der Vor-Ort- Verantwortlichen auf lokaler sowie Länder- und Kantonsebene, wie bei der 50-Jahr-Gründungsfeier der IGKB in St. Gallen mehrfach betont wurde.

Renaturierungsbroschüre und -leitfaden im Internet: www.igkb.org

Wasserprobenahme auf dem See Foto: Zintz

Spurenstoffe im Visier

Immer wieder haben in der Vergangenheit nur in Spuren vorhandene Stoffe die Gewässerschützer vor neue Herausforderungen gestellt. Ein besonders augenfälliges Beispiel war das Unkraut vernichtungsmittel Atrazin. In jüngster Zeit erregen hormonaktive Stoffe und Medikamente sowie deren Abbauprodukte die Aufmerksam keit der Experten. Die IGKB sieht es als wichtige Aufgabe an, solche potenziell gefährlichen Stoffe bestmöglich vom See fernzuhalten.