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| Ministerialdirektor Bernhard Bauer stellt das neue Fachbuch über den Bodensee vor. |
Foto: Kühne |
Es war im Jahr 1955, als Friedrich
Kiefer im Vorwort zu seinem Buch
„Naturkunde des Bodensees“ seinen
Lesern folgende Worte mit auf den
Weg gab: „Das Buch wendet sich in
erster Linie an die Naturfreunde in
allen Schichten der Bevölkerung. Aber
auch der Fachmann auf seenkundlichem
und wasserwirtschaftlichem
Gebiet kann noch manche spezielle
Angaben finden, die für ihn neu und
von Interesse sind.“ Dieser Leitgedanke stand auch für das neue Buch „Der
Bodensee – Ein Naturraum im
Wandel“ Pate: Es will unterhaltsam
und verständlich die unterschiedlichen
Aspekte des Lebens am und im
Bodensee vorstellen.
Bereits 1955 hatte Friedrich Kiefer
das drohende Problem der Eutrophierung, der übermäßigen Anreicherung
von Nährstoffen, anschaulich beschrieben: „Man muss den See als
einen Kosmos im Kleinen oder – in
einem anderen Bild – als einen
Organismus höherer Ordnung auffassen,
der unter natürlichen Verhältnissen „gesund“ ist, durch Eingriffe in
sein harmonisches Gefüge jedoch
„krank“ werden kann.“ Wie wir heute
wissen, ist der See – um im Bild zu
bleiben – tatsächlich krank geworden.
Er wäre noch weit kränker geworden, wenn nicht verantwortungsbewusste
Seenkundler wie Friedrich Kiefer
Alarm geschlagen hätten und wenn
nicht umfangreiche Maßnahmen eingeleitet
worden wären, um der „Eutrophierungskrankheit“ Herr zu werden.
Wie diese Entwicklung der letzten
50 Jahre verlaufen ist, das wird in dem
neuen Standardwerk zum Bodensee
informativ und spannend zu gleich
geschildert. Die Autoren Klaus Zintz,
Herbert Löffler und Gerd Schröder –
allesamt Seenkundler – spannen dabei
den Bogen von der Entstehungsgeschichte des Sees über die wasserwirtschaftlichen
Gegebenheiten und den Stoffhaushalt sowie das Leben im
See bis hin zu Fragen der Nutzung
und dem Schutz des Sees. Auch die
Forschung am See kommt nicht zu
kurz. Und selbstverständlich ist der
Zukunft des Sees und insbesondere dem Klimawandel ebenfalls ein
Kapitel gewidmet.

| Auch Seenforscher genießen bei ihren Arbeit die Schönheit des Bodensees. |
Foto: Zintz |
Bei aller Wissenschaftlichkeit sorgen
immer wieder kleine Anekdoten
und Erzählungen für Abwechslung, so
etwa ein Bericht über den Untergang
des Raddampfers „Jura“ im Jahre 1864
vor Kreuzlingen oder über das Wasserwunder von Konstanz, als 1549 der
Rhein sozusagen seeaufwärts floss –
ein Ereignis, das Wissenschaftler heute
mit internen Schwingungen im See,
den sogenannten Seiches, erklären.
Aber auch grundlegende Aspekte werden
erörtert, etwa die Frage, wem der
Bodensee gehört. Oder wie Ströme
von kaltem und dichtem Wasser die
Erneuerung des Tiefenwassers und
damit den ganzen See beeinflussen.
Der Bodensee und die jahrzehntelangen
erfolgreichen Bemühungen der
Anrainerstaaten um seinen Schutz
kann weltweit als Modell für erfolgreiches
Seenmanagement dienen. Um
einerseits Expertendelegationen aus
an deren Ländern das gesammelte
Wissen schwarz auf weiß zu vermitteln
und andererseits englischsprachigen
Touristen fundierte Informationen
über den See nach Hause mitgeben zu
können, will der Thorbecke Verlag im
kommenden Jahr das Buch in einer
englischen Ausgabe herausbringen.
Klaus Zintz, Herbert Löffler und Heinz
Gerd Schröder: Der Bodensee – Ein
Naturraum im Wandel. 156 Seiten,
Thorbecke Verlag, ISBN 978-3-7995-
0838-4 (im Buchhandel erhältlich).
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