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Herr Gäßler, wann tauchte erstmals
der Verdacht auf, dass die Wasserqualität des Sees schlechter wurde?
In der zweiten Hälfte der 1950er Jahre
hatte sich gezeigt, dass sich im
Bodensee-Obersee – der bis dahin als
gesundes nähstoffarmes Voralpengesässer galt – möglicherweise tiefgreifende
biologische und chemische
Veränderungen vollziehen. Diese ließen
eine Verschlechterung der
Wassergüte befürchten mit der Folge
einer biologischen Wandlung zu
einem nährstoffreichen Gewässer.
Was haben die Experten empfohlen?
Um der alarmierenden Entwicklung
zu begegnen, erschien es notwendig,
den Ausbau der Abwasseranlagen im
Einzugsgebiet des Bodensees mit allen
Mitteln zu beschleunigen. Schon
damals hatte sich die Erkenntnis abgezeichnet,
dass im Bodenseegebiet
eine über die biologische Stufe hinausgehende
Abwasserreinigung nötig
sein würde und deshalb abwassertechnischen
Zusammenschlüssen
mehr als anderswo der Vorzug zu
geben war.
Und das führte zur IGKB-Gründung?
Trotz der damals noch mäßigen Verschlechterung der Wassergüte war
bald klar, dass man bei der Bodenseereinhaltung nur durch koordiniertes
Vorgehen aller Staaten zum Ziel
kommen kann. Dies hat dann 1959
zur Bildung der IGKB geführt.

| Zum fünfzigsten Geburtstag gratulierten: Landesrat Karlheinz Rüdisser (Vorarlberg), Moderatorin Claudia Kleinert, Claudio Lardi (Graubünden), Dr.
Stephan Müller (Bern), Bischof Markus Büchel (St. Gallen), Staatssekrektärin Melanie Huml (Bayern), Regierungsrat Willi Haag (St. Gallen),
Ministerialdirektor Bernhard Bauer (Baden-Württemberg), Dr. Jakob Stark (Thurgau) (v.l.n.r.) Fotos: Regina Kühne |
Wie hat die grenzüberschreitende
Zusammenarbeit geklappt?
Es ist heute noch erstaunlich, wie beispielsweise
so umfangreiche Vorhaben wie die Zusammenfassung der
Abwässer aus dem deutsch-schweizerischen
Raum Konstanz/Kreuzlingen
mit Einleitung in den Abfluss des
Obersees bei den betreffenden Städten und Gemeinden ohne viel Wenn
und Aber auf Zustimmung stieß und
dann verwirklicht wurde.
Gab es denn keine Skepsis?
Im Anfangsstadium ging es durchaus
um die Frage, ob es bei den damals
recht vagen Erfolgsaussichten überhaupt
nötig und angesichts der zu
erwartenden Aufwen dungen vertretbar
wäre, in die „Sache“ all zu groß
einzusteigen. Wissenschaftlich war
nicht ausreichend geklärt, welcher
sogenannte Minimumstoff die zunehmende
Eutrophierung verursachte.
Doch bald hat es sich als sicher erwiesen, dass dies der Phosphor war.
Ministerialrat a.D. Hans Gäßler
Hans Gäßler wurde am 21. Oktober
1919 geboren. Seit 1958 arbeitete er
als Diplomingenieur im Bereich Abwasserwesen und Gewässerschutz.
Er war als baden-württembergischer
Ministerialrat Mitglied in verschiedenen
nationalen und internationalen
Gremien, darunter der deutschen
und internationalen Rheinschutzkommission. Als Gründungsmitglied, Delegierter und Sachverständiger der IGKB hatte er bis zur seiner
Pensionierung im Jahre 1984 maßgeblichen Anteil an deren Erfolg.
Warum wurde dann so viel Geld in die Abwasserreinigung investiert?
Die Meinungen in der Kommission
waren zumindest geteilt. Dieses Stadium wurde jedoch ziemlich rasch
überwunden, ohne das Miteinander in
der Kommission zu beeinträchtigen.
Es hatte sich die Einsicht durchgesetzt,
dass zur Gründung der IGKB wie auch
zum aufwendigen und teuren Ausbau
der Abwasserreinigung einfach keine
andere Wahl bestand.
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