Nun blüht wieder das Vergissmeinnicht
Rund 35 Kilometer Uferstrecken sind rund um den See in den vergangenen drei Jahrzehnten bereits renaturiert worden. Oberstes Ziel war dabei stets die ökologische Aufwertung naturferner Bereiche. Dass dabei unterschiedliche Zielrichtungen verfolgt werden müssen, zeigen die folgenden beiden Beispiele aus Österreich.
 
Mauern und große Steine – so sah das Ufer am Lochauer Strandbad (vgl. Fotos S. 1) nordöstlich von Bregenz früher aus. Die sogenannten Buhnenkörper sollten zwar den Strand sichern, es kam aber dennoch zu Erosions prozessen. Zudem sah das solchermaßen verbaute Ufer nicht nur ziemlich hässlich aus, es war auch alles andere als naturnah.

 
Im Jahr 2004 machte sich die Gemeinde daran, dies zu ändern. Auf einer Länge von 380 Metern bekam das Ufer ein neues Gesicht: Mauern und Buhnen wurden entfernt. Nun können die Wellen an einem sanften Kiesstrand auslaufen. Die 665.000 Euro teuere Maßnahme löste gleich mehrere Probleme. So wurde das Ufer ökologisch aufgewertet, die fortschreitende Erosion gestoppt sowie die Uferstabilität und die Nutzungsmöglichkeiten als Strandbad verbessert. Nicht ändern lässt sich die schlechte Anbindung des Ufers ans Hinterland: Die parallel verlaufende Bahnlinie und die große Straße sind eben der Preis für unsere Mobilität.



Ganz anders stellte sich die Situation auf der anderen, der südwestlichen Seite von Bregenz dar. Dort sah das Mehrerauer Seeufer auf den ersten Blick schon ziemlich naturnah aus. Doch der jahrzehntelange Kiesabbau in der Flachwasserzone hatte seine tiefen Spuren hinterlassen: Durch die Baggerlöcher im See konnten die Wellen ungebremst an Land rollen. So erodierte das Ufer, während sich an anderen Stellen neue, allerdings recht instabile Kieswälle bildeten. Weil diese bei heftigen Stürmen landeinwärts wanderten, drohte die Zerstörung wertvoller Uferbiotope.


 


Um den Schutz dieser Lebensräume mit den dort vorkommenden seltenen Pflanzen- und Tierarten zu gewährleisten, wurde im Jahr 2002 dieser als Natura-2000-Schutzgebiet ausgewiesene Uferbereich auf einer Länge von 530 Meter eingeebnet, der Böschungsfuß mit großen Steinen (Wacken) gesichert, Kies aufgebracht und Schilfflächen wieder an den See angebunden. Das Ziel – nämlich der Schutz dieses seltenen Lebensraumes – wurde dabei erreicht. So ist nach der Beseitigung der Kieswälle wieder eine natürliche Vernetzung von Ufer- und Flachwasserzone gegeben – eine wichtige Voraussetzung für das Gedeihen der Strandrasen-Gesellschaften. Und tatsächlich breiten sich diese seit 2002 nun wieder aus, wobei es auch bereits zu Neuansiedlungen gekommen ist. Besonders erfreulich ist, dass das bedrohte Bodensee-Vergissmeinnicht nun wieder einen gesicherten Lebensraum hat. Bei dessen gezielter Vermehrung und Neuanpflanzung hat sich die Bregenzer Stadtgärtnerei bleibende Verdienste erworben. Nun blüht diese „Charakterpflanze“ im Frühjahr also wieder wunderschön blau am Mehrerauer Seeufer.


Das Mehrerauer Seeufer vor (oben) und direkt nach der Renaturierung im Jahr 2004 (Mitte) sowie die Ansiedlung des Bodensee-Vergissmeinnichts 2007 (unten) Fotos Ender, Stadt Bregenz