Ein Hafen mit neuen Ufern
In den vergangenen Jahrhunderten hat der Mensch den Ufern des Bodensees seinen Stempel aufgedrückt – in Form von Beton, Mauern und Hafenanlagen. Doch seit Ende der 1980er Jahre werden die negativen ökologischen Folgen im Zuge von Uferrenaturierungen abgemildert. Ein frühes Beispiel ist der Hafen von Lindau-Zech.
 
Wie rettet man eine rutschende Hafenmole und schafft gleichzeitig eine ökologische Verbesserung? Am besten durch Renaturierung – so dachte man sich Ende der 1980er Jahre beim zuständigen Wasserwirtschaftsamt Kempten, als es um die Sanierung der maroden Mole im Hafen von Lindau-Zech ging. Bei Sturm hatten die vom See herkommenden Wellen genauso an dem 1971 errichteten Bauwerk genagt wie die Leiblach, die südlich vom Hafen in den See mündet. Die Folgen: bereits in den 1980er Jahren war die Mole streckenweise unterspült worden und senkte sich, so dass sogar der auf ihr führende Fahrweg teilweise zerstört wurde. "Die Standsicherheit war nicht mehr gegeben", erinnert sich Fritz Bauer vom Wasserwirtschaftsamt Kempten.

 
So wurde im Frühjahr 1989 mit der Sanierung und Renaturierung des Hafenbereichs begonnen, im Dezember war die etwa 240.000 Euro teure Maßnahme abgeschlossen. Wie auf den Luftbildern gut zu erkennen ist, wurde die vormals steile Mole seeseitig abgeflacht. Zur Stabilisierung dienten Wasserbausteine auf Höhe der Niedrigwasserlinie. Danach wurde die neue flache Böschung aufgefüllt und abgedeckt, und zwar mit einer "erosionsstabilen Steinschüttung", wie die Wasserexperten betonen.

Ein weiterer wichtiger Neben effekt dieser Maßnahme war die Veränderung der Strömungsverhältnisse. Am Lindauer Ufer landet nämlich regelmäßig massenhaft Treibholz an, das vor allem bei Hochwasser über die Alpen zu flüssen in den See gelangt und durch die vorherrschende Strömung ans Nordostufer des Sees geschwemmt wird. Durch die Umgestaltung der Ufer im Bereich des Hafens Lindau-Zech wird nun eine veränderte Strömung erzeugt, durch die das unerwünschte Treibgut im so genannten Treibzeugtrichter angeschwemmt wird. Somit kann es direkt am Gelände der Seemeisterstelle Lindau relativ einfach aus dem See entnommen werden.
 

Wie gut und stabil diese ökologische Sanierung ihre Schutzfunktion erfüllt, zeigte sich beim legendären Pfingsthochwasser 1999. Im Gegensatz zu mit Mauern, Beton und anderen Bauwerken "stabilisierten" Uferabschnitten, die bei dem Hochwasser mehr oder weniger stark beschädigt wurden, waren im renaturierten Bereich des Hafens Lindau-Zech keine Schäden festzustellen.

Insgesamt beurteilt das Wasserwirtschaftsamt Kempten die Auswirkungen des naturnahen Ausbaus positiv: "Die Stabilität der Mole wurde wieder hergestellt und neben dem Landschaftsbild hat sich auch die ökologische Wirksamkeit deutlich verbessert", berichtet Bauer – was auch die Gütekartierung (vgl. Bilder) zeigt.