Trinkwasserspeicher erster Güte
Über die hervorragende Qualität des Wassers im Bodensee können ausländische Wasserexperten oft nur staunen. Sie kommen daher gerne an den See, um sich über Trinkwassergewinnung und Reinhaltemaßnahmen zu informieren. Ein Erfahrungsbericht.
 
Isao Somiya lächelt – aber selbst sein typisch japanisch-freundliches Lächeln kann seine Ungläubigkeit nicht überdecken. Ein so großer und dicht besiedelter See soll sauber genug sein, um sein Wasser ohne Weiteres trinken zu können? Nein, was ihm die Experten des Langenargener Seenforschungsinstituts da berichten, das kann der emeritierte Professor der japanischen Kyoto-Universität einfach nicht glauben. An den Bodensee ist Somiya als Chef des Komitees zur Sicherung der Wasserqualität des japanischen Biwa-Sees und Leiter einer siebenköpfigen Expertendelegation gekommen.

Sicher, auch am ähnlich großen, aber deutlich flacheren japanischen Biwa-See nordöstlich der Millionenstadt Osaka sind enorme Anstrengungen zur Verbesserung der Wasserqualität unternommen worden. Doch der Erfolg war bisher lange nicht so durchschlagend wie am Bodensee. Um die Situation weiter zu verbessern, wurde in den 1990er Jahren sowohl eine Biwasee-Schutzorganisation als auch ein Forschungs- und Entwicklungszentrum für die Verbesserung der Wasserqualität gegründet.

Japanische Delegation mit Herbert Löffler vom Institut für Seenforschung (Mitte) Foto: Zintz
 
 
Doch bis man das Wasser aus dem Biwa-See wieder ohne aufwendige Aufbereitung trinken kann, dürfte noch einige Zeit vergehen – wenn sich dieses Ziel überhaupt erreichen lässt. Dagegen unterschreitet das Wasser des Bodensees die strengen Grenzwerte der Trinkwasserverordnung problemlos. Die Aufbereitung des Rohwassers zu Trinkwasser beschränkt sich hier im Normalfall auf die sichere Abtötung von Krankheits erregern und die weitergehende Entfernung unerwünschter Teilchen, etwa von Planktonresten oder von Sedimentpartikeln, die bei Hochwasser eingeschwemmt wurden.

Während man sich am Biwasee "nur" um die Qualität des Rohwassers kümmern muss, haben die Wasserversorger in Jordanien ganz andere Sorgen. Niederschlag fällt dort – wenn überhaupt – nur im Winterhalbjahr. So gehört das Land zu den wasserärmsten Gebieten der Erde. Selbst in der Hauptstadt Amman wird nur einmal in der Woche Wasser in das Leitungsnetz gepumpt. "Wer dann seine Vorratsbehälter nicht auffüllt, muss bis zur nächsten Wasserlieferung warten", berichtet Saleh Rusheidat. Der Bauingenieur war sechsmal Minister und dabei unter anderem für die Wasserversorgung seines Landes zuständig. Heute ist er Vizepräsident einer großen jordanischen Ingenieurgesellschaft.
 
Delegation aus Jordanien (von rechts): Imad Zureikat, Saleh u. Mona Rusheidat sowie Hans Mehlhorn von der Bodenseewasserversorgung Foto: Blattner

In Akaba, der aufstrebenden Stadt am Roten Meer, bescheren Grundwasserquellen den Menschen immerhin den Komfort einer Wasserversorgung rund um die Uhr. Darauf ist Imad Zureikat, der Chef der Wasserversorgung von Akaba, auch ziemlich stolz. Doch wie überall in Jordanien müssen auch hier immer mehr Menschen mit dem kostbaren Nass versorgt werden – eine gewaltige Herausforderung. So sind die beiden Experten an den Bodensee gekommen, um sich von Hans Mehlhorn, dem Technischen Direktor der Bodensee-Wasserversorgung (BWV), darüber informieren zu lassen, wie die BWV Trinkwasser gewinnt, aufbereitet und über ein mehr als 1700 Kilometer langes Rohrnetz verteilt. Auch in Jordanien will man nun eine 350 Kilometer lange Leitung bauen, die Amman mit dem Wasser aus 85 neu erschlossenen Quellen südlich der Hauptstadt versorgen soll.