Wasserpflanzen zeigen sauberen Bodensee an
Der Bodensee ist nährstoffärmer geworden: Wurden Anfang der 1990er Jahre noch 30 Milligramm Phosphor in tausend Liter Wasser gemessen, so sind es heute gerade einmal acht Milligramm. Die Entwicklung hin zu den ursprünglich am Bodensee herrschenden Nährstoffverhältnissen macht sich nun auch in der Zusammensetzung der Lebensgemeinschaft der Unterwasserpflanzen bemerkbar. Bei den submersen Makrophyten, wie die Fachleute sagen, finden sich zunehmend nährstoffarme Verhältnisse anzeigende (oligotraphente) Arten. Das hat eine seeweite Kartierung ergeben. Durchgeführt wurde sie von 2006 bis 2008 vom Wasserwirtschaftsamt Kempten im Rahmen des Schwerpunktprogramms Ufer- und Flachwasserzone der Internationalen Gewässerschutzkommission für den Bodensee.

Taucher bei der Makrophytenkartierung
Foto: WWA Kempten
Im Vergleich zur letzten Makrophyten-Kartierung im Jahr 1993 hat sich der ökologische Zustand des Sees insgesamt verbessert, und zwar sowohl im Obersee als auch im etwas nährstoffreicheren Untersee. Besonders bemerkenswert ist – neben dem Wiederfund des als verschollen eingestuften Schimmernden Laichkrauts (siehe nächste Seite) – die starke Ausbreitung oligotraphenter Arten, zu denen die Armleuchteralgen zählen. Kam die Rauhe Armleuchteralge (Chara aspera) vor 15 Jahren nur in Teilen des Untersees sowie in der Fußacher Bucht am österreichischen Seeufer vor, so ist sie heute wieder weit verbreitet – "im Untersee und Überlinger See in unterseeischen Wiesen gigantischer Ausdehnung", wie die Biologen begeistert berichten.

Auch früher sehr seltene Arten sind nun wieder auf dem Vormarsch wie etwa die Geweih-Armleuchteralge (Charatomentosa) oder eine Reihe von Laichkräutern, so das Schweizer-, das Flutende- und das Haar-Laichkraut (Potamogeton helveticus, P. nodosus und P. trichoides).

Inzwischen ist die Klimaerwärmung offenbar in der Welt der Unterwasserpflanzen angekommen. So haben die Forscher eine Zunahme des Mittleren Nixenkrautes (Najas marina intermedia) festgestellt, einer Wärme liebenden Art. Für ihre Schwesternart, das Kleine Nixenkraut (Najas minor), ist es aber im Bodensee wohl noch zu kalt. Diese in subtropischen Gewässern vorkommende Art hat sich nicht weiter ausgebreitet. Sie ist, wie schon 1993, nur in der sehr flachen und damit ziemlich warmen Fußacher Bucht zu finden.