Editorial
Prof. em. Dr. h.c. Dr.-Ing. E.h. Ph. D.Helmut Kobus
Universität Stuttgart
Welche Wasserwerke am Bodensee sind bei einem Unfall mit gefährlichen Substanzen potenziell gefährdet und wie viel Vorlaufzeit verbleibt, um Abwehrmaßnahmen zutreffen? Um solche Störfälle oder Extremereignisse optimal beherrschen zu können, steht mit dem Informationssystem BodenseeOnline ein neues Instrument der Störfallvorsorge und zielgerichteten Gefahrenabwehr zur Verfügung. Es ergänzt als Entscheidungs-Unterstützungssystem die bestehenden Warn- und Alarmpläne und ermöglicht neben der Erfassung der momentanen Situation auch Schlussfolgerungen über potenzielle Auswirkungen.
Mit tatkräftiger Unterstützung der Internationalen Gewässerschutzkommission für den Bodensee (IGKB) und Förderung durch BMBF und DFG wurde 2005 die Entwicklung und Erprobung dieses seeweiten Systems in Angriff genommen. Dazu hatte sich ein großer interdisziplinärer Forschungsverbund zusammengefunden, an dem die Universitäten Stuttgart und Konstanz ebenso beteiligt sind wie die Arbeitsgemeinschaft der Wasserwerke Bodensee/Rhein und das Institut für Seenforschung der LUBW. Mittlerweile liefert BodenseeOnline seeweit aktuelle Informationen, die nicht nur Wasserwerken, Behörden und der Wasserschutzpolizei zur Verfügung stehen, sondern künftig auch Seglern, Touristen und Bürgern zugänglich gemacht werden sollen. Das ist auch das Ziel der IGKB: Daten und Erkenntnisse, die aus Forschungsprojekten stammen, umgehend der Allgemeinheit zur Verfügung zu stellen.
Unerlässliche Voraussetzung für die Entwicklung realitätsnaher Modelle ist die Verfügbarkeit von Messdaten, die rund um den See von Fachbehörden und Wasserversorgungsunternehmen erhoben werden. Dies ist an einem vielseitig genutzten internationalen Gewässer keine leichte Aufgabe. Die Lösung erforderte die aktive Mitwirkung der Arbeitsgemeinschaft der Wasserwerke und der IGKB, deren Mitglieder rund um den See ihre Messdaten in die gemeinsame Datenbank fortlaufend einbringen.
Die täglich aktualisierte Erfassung des dynamischen Seezustands sowie Kurzfristprognosen stellen das Kernstück von BodenseeOnline dar. Mit Hilfe des Modellsystems wird anhand der aktuellen Wettervorhersage des Deutschen Wetterdienstes eine Prognose des dynamischen Seezustands und der Strömungsverhältnisse für die nächsten drei Tage erstellt. Zur weiteren Umsetzung des neuen Instrumentariums in die Praxis wurde ein BodenseeOnline-Begleitkreis ins Leben gerufen. Wichtige Ergebnisse werden am 8.Oktober 2008 beim Kolloquium "Bodenseeforschung 2008" in Langenargen präsentiert. Zukünftig wird sich der Forschungsverbund auch mit den Auswirkungen des Klimawandels auf den See befassen.