Der Bodensee als Erfolgsmodell
Die jahrzehntelangen Aktivitäten um die Reinhaltung des Bodensees tragen Früchte: Der See ist wieder so sauber wie in den fünfziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Ein Erfolg, der weltweit als Vorbild diente und zur Nachahmung ermuntern soll.
 
Besucher aus fernen Ländern wie beispielsweise China erleben regelmäßig mit Staunen, dass ein so großer und dicht besiedelter See wie der Bodensee sauber genug ist, um sein Wasser problemlos trinken zu können. Doch dieses "Wunder" kam nicht von selbst, es ist der Lohn jahrzehntelanger Bemühungen und mehr als vier Milliarden Euro teurer Investitionen. Daran mitgearbeitet haben alle Anliegerländer und -kantone sowie das im Einzugsgebiet gelegene Liechtenstein und der Kanton Graubünden. Auch die IGKB, die Internationale Gewässerschutzkommission für den Bodensee, hat einen erheblichen Anteil daran, dass der See heute wieder auf dem besten Wege zu einem naturgemäßen Zustand mit entsprechend nährstoffarmem Wasser ist.

Dass eine solche intensive Zusammenarbeit keineswegs selbstverständlich ist, zeigt sich zum Beispiel am Peipsi-See. Dieser fünftgrößte See Europas liegt an der Grenze zwischen Estland und Russland. Und er droht an der Nährstofffracht zu ersticken, die vor allem aus dem Osten und Süden in den See fließt, also aus Russland. Seit die Esten ihren eigenen Staat haben und vor allem seit sie in der EU sind, haben sie sich verstärkt um die Reinigung ihrer Abwässer gekümmert – mit Erfolg: Aus Estland gelangen heute deutlich weniger Nährstoffe in den See als früher. Die Nährstofffracht aus Russland fließt jedoch weiterhin praktisch ungebremst in den 3.555 Quadratkilometer großen See, was für dessen Zukunft nichts Gutes bedeutet. Schon heute sind vor allem im südlichen, zu Russland gehörenden Seeteil häufigere und intensivere Algenblüten zu beobachten, verbunden mit einer abnehmenden Sichttiefe und einer sich ändernden Zusammensetzung der Fischarten.

Dank jahrzehntelanger intensiver Aktivitäten ist der Bodensee ein attraktiver Lebensraum geblieben. Foto: Petek/info@luftbild.com
 
 
Als dem Bodesee in den 1950er, 1960er und 1970er Jahren ein ähnliches Schicksal drohte und sich sein Zustand von Jahr zu Jahr verschlechterte, halfen nur der massive Bau von Kläranlagen im gesamten Einzugsgebiet des Sees sowie weitere Maßnahmen zur Senkung des Nährstoffeintrags. Dank dieser intensiven Reinhaltemaßnahmen kann der See auch heute noch seine Funktion als Trinkwasserspeicher und attraktives Erholungsgebiet voll erfüllen.

Damit wird der Bodensee zu einem Paradebeispiel, wie man einen großen und intensiv genutzten See durch entsprechende Maßnahmen erfolgreich "managen" kann. Das Wissen, wie man die Probleme am besten anpacken und lösen kann, geben die verantwortlichen Wissenschaftler, Forschungsorganisationen und Behörden seit Jahren an andere Länder weiter. So wird beispielsweise auf der diesjährigen Weltausstellung im spanischen Saragossa über die "Gefährdung und Rettung des Bodensees" mit ansprechenden Postern informiert. Und schon Ende der 1970er Jahre reisten Japaner an den Bodensee, um Anregungen für die Sanierung ihres größten Sees zu erhalten, des 670 Quadratkilometer großen Biwa-Sees bei Kyoto.

Auch Umweltschutzorganisationen wie die am Bodensee ansässige Stiftung "Living Lakes" bemühen sich, die am Bodensee gemachten Erfahrungen in aller Welt bekannt zu machen. In jüngster Zeit hat sich die Stiftung insbesondere um die neuen EU-Mitglieds länder und deren Seen gekümmert – im Rahmen des "Osteuropä ischen Seennetzwerkes", einem von der EU geförderten Projekt.