Der Eroberungsfeldzug des Großen Höckerflohkrebses. Grafik: Hydra
Gleich vier neue Tierarten sind in jüngster Zeit in den Bodensee eingewandert: Im Jahr 2002 der Große Höckerflohkrebs (Dikerogammarusvillosus), ein Jahr später die Grobgerippte Körbchenmuschel (Corubicula fluminea), dann 2006 die Donau-Schwebegarnele (Limnomysis benedeni) sowie erst im vergangenen Jahr der Aufrechte Flohkrebs (Crangonyx pseudogracilis). Ob sich diese "Tiere mit Migrationshintergrund" - wie die neu eingewanderten Tierarten mittlerweile bei den Biologen politisch korrekt heißen – als harmlose Neubürger oder als unangenehme Invasoren entpuppen, wird sich erst in den kommenden Jahren zeigen. Ihr Verhalten wurde in den vergangenen drei Jahren intensiv im Rahmen des umfangreichen Forschungsprojekts Anebo (aquatische Neozoen im Bodensee und seinem Einzugsgebiet) untersucht.
Die Ergebnisse wurden nun bei einer Abschlusstagung am Institut für Seenforschung vorgestellt. Schon jetzt zeichnet sich ab, dass die Neuankömmlinge Einfluss auf das Ökosystem nehmen könnten. Dafür sorgen schon ihre zumindest zeitweise ausgesprochen aggressiven Ausbreitungstendenzen. Allerdings wurde die Körbchenmuschel im kalten Winter 2005/2006 stark gebremst, als zudem noch ein extremer Wasserstand herrschte. Damals starben zwar 90 Prozent der Muscheln, doch die Art scheint sich mittlerweile wieder auszubreiten.
Der Große Höckerflohkrebs macht den anderen Flohkrebsen das Leben schwer: Er verdrängt sie nicht nur aus ihrem Lebensraum, sondern frisst sie auch noch kurzerhand auf. Und die Schwebegarnele bildete bereits im Jahr nach ihrer Ankunft riesige Schwärme im Wasser. Als wichtigstes "Einfallstor" für neue Arten gelten unzureichend gereinigte und getrocknete Freizeitboote. Mit dem Merkblatt "Blauer Anker" will daher die Internationale Wassersportgemeinschaft Bodensee der Ausbreitung solcher blinder Passagiere entgegengewirken.