Wie saniert man ein betoniertes Ufer?
Der Bodensee ist für den Menschen seit jeher besonders attraktiv gewesen, wie schon die frühgeschichtlichen Pfahlbauten zeigen. Die intensive Siedlungstätigkeit hat indes Spuren hinterlassen: Mauern, Hafenanlagen und betonierte Böschungen ersetzen heute über weite Strecken das natürliche Ufer. Das soll sich nun ändern.
 
Die Pappelreihe signalisiert Natur. Und am flachen Kiesufer davor plätschern die Wellen sanft an den Strand. Ein paar junge Bäume wachsen zwischen den Kieselsteinen, auch Schilf breitet sich aus. Ein richtig idyllisches Bild also, das von den Häusern hinter den Pappeln kaum getrübt wird.

Das war jedoch nicht immer so. Denn bis zum Jahr 2004 war die Uferböschung an dieser Stelle in Wangenbei Öhningen am Nordufer des Untersees durch riesige Betonplatten gesichert. Der hier ansässige Ruderclub wollte das Ufer ja für Bootsliegeplätze nutzen. Selbstverständlich war dazu ein "ordentlicher", also gut zu begehender Untergrund unerlässlich. Dass direkt dahinter schöner grüner Rasen angesät war, entsprach ebenfalls dem früheren Nutzungsdenken.

Vor der Sanierung waren weite Strecken des Ufers bei Öhningen-Wangen betoniert. Foto: IGKB
 
 
Doch die Zeiten haben sich geändert. Zu einem intakten See gehört ein natürliches oder wenigstens naturnahes Ufer. Das hat auch die Internationale Gewässerschutzkommission für den Bodensee (IGKB) als Ziel ausgegeben. Derzeit erarbeitet eine Expertengruppe der IGKB einen Leitfaden, der den Gemeinden rund um den See Hilfestellung bei der Planung und Durchführung von Maßnahmen zur Renaturierung "hart verbauter" Ufer geben soll.

Auch der Gemeinde Öhningen-Wangen war das unattraktive Betonufer schon lange ein Dorn im Auge. So entschloss man sich, auf einer Länge von etwa 350 Metern wieder naturnähere Verhältnisse am Ufer zu schaffen, allerdings ohne die Nutzung zur Naherholung zu ändern. So wurden dann im Winterhalbjahr 2004/2005 die Betonplatten und Mauerreste abgetragen. Danach wurde das Ufer mit Mineralboden und Kies unterschiedlicher Korngrößen naturnah gestaltet. Der Erfolg der rund 240.000 Euro teuren Maßnahme: bereits ein Jahr später war die Kiesfläche grün durchsetzt und auch die "Schilfinseln" waren gut angewachsen.
 
Mit Kiesschüttungen und Schilfanpflanzungen wurde das Ufer naturnah gestaltet. Foto: Zintz
 

Kies statt Beton, sanft ansteigende Ufer statt senkrechte Mauern, Schilf statt grüner Rasen: Immerhin 34 Kilometer der insgesamt 273 Kilometer langen Uferstrecke sind in den vergangenen Jahren auf diese oder ähnliche Weise renaturiert worden. Gut die Hälfte aller renaturierten Uferabschnitte sind nach den Maßnahmen in einem "natürlichen" oder "naturnahen" Zustand.

Leider ist eine so weitgehende Renaturierung nicht immer möglich: In knapp 40 Prozent gelten die Ufer nach wie vor als "beeinträchtigt". Und in 10 Prozent der Fälle muss die Einstufung bei "naturfern" bleiben, wobei hier in der Regel nur die Wirkung der Wellen gemildert werden sollte: Der Seeboden vor den bereits vorhandenen Mauern wurde lediglich aufgeschüttet, ohne die Mauer zu beseitigen. Damit vermeidet man die Reflexion der ankommenden Wellen, wodurch deren nachteilige Wirkung deutlich abgeschwächt wird.