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Dr. Helmut Schlichtherle, Leiter der Arbeitsstelle für Unterwasserarchäologie in Hemmenhofen. Regierungspräsidium Stuttgart, Landesamt für Denkmalpflege.
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| Der Bodensee befindet sich im Kreuzungsfeld wichtiger Verkehrsverbindungen, die in Nord-Süd-Richtung über die Alpen sowie in Ost-West-Richtung führen. Nicht zuletzt deshalb waren die Ufer des Sees schon in der Steinzeit dicht besiedelt. Entsprechend umfangreich ist der archäologische Fundreichtum. Bereits 1856 war man im Flachwasser auf Pfahlbausiedlungen gestoßen und von 1930 bis 1945 kam es am deutschen und schweizerischen Ufer zu ersten, groß angelegten Forschungsgrabungen.
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| Im Pfahlbaumuseum Unteruhldingen sind ältere und jüngere Ausgrabungsergebnisse für eine breite Öffentlichkeit aufbereitet und weitere Museen rund um den See enthalten bedeutende Funde der Pfahlbauten, die zu den "Ikonen" des Bodenseetourismus zählen. Der ganze Umfang der archäologischen Fundstätten und ihre weit über den Bodenseeraum hinausreichende wissenschaftliche Bedeutung sind jedoch in zunehmendem Maße erst seit 1980 bekannt geworden, als die Denkmalbehörden Baden-Württembergs und des Thurgaus erstmals mit modernen Methoden der Unterwasserarchäologie tätig wurden.
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| Heute wissen wir, dass noch immer ein bedeutender Bestand von mehr als 90 Siedlungsplätzen der Jungsteinzeit und Bronzezeit (etwa 3900 bis 850 v.Chr.) kaum sichtbar in den Seeablagerungen des westlichen Bodensees eingebettet liegt. Die Erhaltungsbedingungen habe norganische Materialien in hervorragender Weise konserviert und eineinzigartiges Archiv geschaffen, das für die Natur- und Kulturgeschichte des Voralpenraumes von großer Bedeutung ist.
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| Es hat sich aber auch mit aller Deutlichkeit gezeigt, dass die Siedlungsplätze unter Wasser erheblich gefährdet sind. Hier sind zunächst Schifffahrtsanlagen zu nennen, die in den Bestand eingreifen. Vor allem aber sind Erosionsprozesse im Gange, die in kurzer Zeit die schützenden Deckschichten über den Fundstätten abräumen. |
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| Die Ursachen sind im Einzelnen noch kaum erkundet. Uferverbauungen und damit veränderte Strömungsverhältnisse, die Wellenwirkung der Motorschifffahrt und sinkende Wasserstände im Zusammenhang mit dem Klimawandel sind nur einige der in Frage kommenden Faktoren. Um hier zu klaren Prognosen und zu nachhaltigen Schutzmaßnahmen zu kommen, bedarf es eingehender Untersuchungen und neuer Konzepte, die in engem Zusammenwirken von Seenforschern, Umweltphysikern und Unterwasserarchäologen zu entwickeln sind. |
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| Es war deshalb wichtig und höchste Zeit, dass sich eine Gruppe von Seenforschern und Denkmalpflegern vom Bodensee und Zürichsee zusammengetan hat, um ein Verständnis der Erosionsvorgänge im Flachwasser, die Erprobung umweltschonender, nachhaltiger Schutzmaßnahmen und die Entwicklung eines Überwachungsprogramms zu erreichen. Mit Letzterem soll das bedeutende Unterwasser-Kulturerbe des Bodensees bewahrt werden. |
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