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| Vaterschaftstests bei Höckerflohkrebsen
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| Neu eingewanderte Tierarten machen den alteingesessenen Bodenseebewohnern unliebsame Konkurrenz. Mit modernen genetischen Methoden wollen Forscher nun im Rahmen des Projekts ANEBO der Herkunft des Großen Höckerflohkrebses auf die Spur kommen.
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Es geschah im Oktober 2002 am nördlichen Bodenseeufer bei Immenstaad. Dort fanden Biologen an einer Dauerbeobachtungsstelle damals ein Tier, das bis dahin noch nie im Bodensee beobachtet worden war: den Großen Höckerflohkrebs. Mittlerweile hat Dikerogammarus villosus, wie der bis zu zwei Zentimeter große Kleinkrebs wissenschaftlich exakt heißt, nicht nur den Obersee, sondern auch im Untersee das gesamte Südufer und die Insel Reichenau erobert.
Mehr noch: der Eindringling ist in den meisten Seeteilen, so etwa im Überlinger See, in dieser kurzen Zeit zur absolut dominierenden Art der Kleinkrebsgesellschaft geworden, wie aus der untenstehenden Abbildung hervorgeht. Vom Bodensee aus schickt er sich nun an, auch den Hochrhein zu besiedeln. Der war nämlich bisher frei von Dikerogammarus villosus. Doch im Frühjahr 2007 hat er den Hochrhein bis Hemishofen unterhalb von Stein am Rhein erobert. Zur Zeit ist er erst wieder bei Waldshut anzutreffen, was vermutlich auf eine Population aus der Aare zurückgeht. Im Rhein bei Basel hatte er sich übrigens schon um 1999 eingenistet.
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| Die Verteilung des Großen Höckerflohkrebses im Bodensee
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Grafik: Rey |
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Die Biologen betrachten diesen Eroberungsfeldzug mit einiger Sorge. Schließlich ist der Große Höckerflohkrebs ziemlich fortpflanzungsfreudig: bis zu drei Generationen im Jahr sind schon drin, und verglichen mit den einheimischen Flohkrebsen hat er auch weitaus mehr Nachkommen – bis zu 40 Eier pro Weibchen und pro Ablage. So hat der ebenfalls zu den Flohkrebsen gehörende einheimische Gammarus roeseli kaum eine Chance, mit den Besiedelungsdichten von Dikerogammarus mitzuhalten. Das kann nicht ohne Folgen bleiben: Dieser gefräßige Räuber verdrängt zunehmend angestammte wirbellose Tierarten, die am Seeboden unter Steinen ihren Lebensraum haben.
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Im Rahmen des von der Europäischen Gemeinschaft geförderten Projekts ANEBO (Aquatische Neozoen im Bodensee) verfolgen Biologen unter Federführung des Instituts für Seenforschung die Wege der Neuankömmlinge im Bodensee, darunter auch des Höckerflohkrebses. Im Rahmen dieses Projekts wollen sie nun auch wissen, wie die Invasion in den Bodensee erfolgt ist: Fand sie nur einmal statt oder gleich mehrmals? Und wo leben die nächstverwandten Populationen?
Aufschluss erhoffen sie sich durch populationsgenetische Analysen. Daher wird seit Ende 2006 vom bayerischen Projektpartner, dem Wasserwirtschaftsamt Kempten, der genetische Fingerabdruck dieser Zuwanderer untersucht. Ganz ähnlich wie bei Vaterschaftstests wird die Erbsubstanz DNA verschiedener Tiere aus unterschiedlichen Regionen des Bodensees – und auch aus benachbarten Gebieten wie etwa der Aare – auf Gemeinsamkeiten und Unterschiede analysiert. Die ersten Untersuchungsergebnisse deuten darauf hin, dass die Höckerflohkrebse im Bodensee alle aus einer Ursprungspopulation, also aus einer Quelle stammen. Dies könnte beispielsweise ein „Wanderboot“ gewesen sein, das mit Wasserresten an Bord ein oder mehrere Krebschen von einem anderen See oder Fluss, in dem Dikerogammarus schon vorkam, in den Bodensee transportiert hat.
www.neozoen-bodensee.de
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Foto: Huber
| Typisch für den Großen Höckerflohkrebs sind die Höcker am Hinterende.
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