Die Geheimnisse der Sedimente
Den aktuellen Zustand des Seebodens zu erfassen, das war das wichtigste Ziel des Sedimentforschungsprojekts BUS. Es zeigt, dass die intensiven Bemühungen zum Gewässerschutz auch am Seeboden erfolgreich sind.
 
Die Geschichtsbücher eines Sees – so nennen die Limnologen, die Süßwasserkundler, gerne die Sedimentablagerungen am Grund eines Gewässers. Und sie wissen, wie sie die Geschichten in den Sedimentbüchern lesen können. Diese berichten über die natürlichen Ablagerungen im See selbst, die bodenlebenden Organismen, die von außen eingetragenen Nährstoffe und über die von Menschen stammenden Schadstoffe im Sediment. Sozusagen in unsere Sprache übersetzt wurden diese Sedimentarchive in den vergangenen drei Jahren von Forschern am Langenargener Seenforschungsinstitut: Im Rahmen des Projekts BUS (Bodensee- Untersuchung-Seeboden) haben sie eine seeweite Bestandsaufnahme des Seebodens durchgeführt.
Herausgekommen ist die bisher unerreicht detaillierte Beschreibung der dort vorkommenden Lebensgemeinschaften, die vor allem aus Würmern und Insektenlarven bestehen. Überraschenderweise zeigten sich im Vergleich zu früheren Untersuchungen ähnliche Besiedelungsmuster. Sollte sich die Entlastung des Sees von Nährstoffen, die so genannte Oligotrophierung, bisher noch gar nicht auf die Lebensgemeinschaften am Seeboden ausgewirkt haben? Doch, sagen die Forscher: Betrachtet man die Gruppe der Würmer (genauer die der so genannten Oligochaeten, der Wenigborster) auf Artebene – was sehr aufwendig ist und nur von wenigen Spezialisten beherrscht wird –, zeigen sich durchaus Unterschiede: Dann sind diejenigen Arten häufiger geworden, die mittlere bis geringe Belastungen anzeigen.

Geräte zur Messung der Sedimentation
werden im See versenkt.
Foto: Wessels
Doch die insgesamt relativ geringen Veränderungen in den Lebensgemeinschaften stützt die These der BUS-Forscher, dass die Zufuhr von Phosphor in den See für die am Boden lebenden Tiere weniger wichtig ist als die Zufuhr von organischem Kohlenstoff, wie er etwa mit gereinigtem Abwasser, vor allem aber auch natürlich mit den Schwebstoffen eingetragen wird. Diese Zufuhrmenge hat sich in den vergangenen Jahrzehnten weit weniger stark verringert als die Nährstoffzufuhr.
Weitaus deutlicher werden die positiven Auswirkungen der Maßnahmen, den See wieder sauberer zu machen, bei den chemischen Untersuchungen der Sedimente. Sie zeigen, dass die Konzentrationen fast aller Schadstoffe deutlich zurückgegangen sind – ein eindrucksvoller Beweis, wie gut die vielfältigen Schutzmaßnahmen gegriffen haben. Lediglich die Flammschutzmittel haben sich verstärkt in den obersten Sedimentschichten angereichert. Da sie sich in der Nahrungskette anreichern können, sollte man diesen Schadstoffen in Zukunft verstärkt Beachtung schenken, empfehlen die Forscher.
 
Untersuchungsprogramm BUS

BUS – diese Abkürzung steht für das von der Internationalen Gewässerschutzkommission IGKB in Auftrag gegebene Projekt Bodensee- Untersuchung-Seeboden. Das von der Europäischen Union geförderte dreijährige Forschungsvorhaben ist jetzt abgeschlossen. Ein Hauptziel der Studie war eine Bestandsaufnahme des Lebensraums Seeboden. Eine wichtige Frage war, ob sich die beachtlichen Erfolge, die in den letzten Jahren bei der Gewässerreinhaltung erzielt wurden, im Seeboden widerspiegeln. Allerdings hatte das Projekt nicht nur die Dokumentation des derzeitigen Zustandes zur Aufgabe; es sollte auch Prognosen für die Zukunft abgeben und so einen Beitrag leisten bei der Fortschreibung der Gewässerschutzkonzeptionen am See. Die Ergebnisse sollen im kommenden Jahr als „Blauer Bericht 58“ der IGKB veröffentlicht werden.