Schwimmende Seminare
Eine Schifffahrt genießen und dabei Interessantes über den Bodensee erfahren – das können Touristen und Tagesgäste im Sommer jeden Montag und Donnerstag erleben. Dann finden an Bord der „MS Stuttgart“ schwimmenden Naturerlebnisseminare statt.
 
„Schauen Sie mal über die Reling: Umweltinfos immer montags und donnerstags“ steht in großen Buchstaben auf dem Banner, das vom Deck des Dampfers „MS Stuttgart“ die Fahrgäste begrüßt. Seit mehr als zehn Jahren gibt es sie nun, die schwimmenden Naturerlebnisseminare. Sie wollen Touristen und Einheimischen auf lockere Art den Bodensee und seine (Natur-)Geheimnisse näher bringen. Und dazu noch – natürlich ganz ohne „erhobenen Zeigefinger“ – Zusammenhänge über Wasserqualität und Umweltschutz vermitteln. Veranstaltet werden die Seminare, die von Ende Juni bis September auf der Fahrt von Lindau nach Meersburg stattfinden, in einer bemerkenswerten Zusammenarbeit dreier Organisationen:
Der baden-württembergischen Akademie für Natur- und Umweltschutz, dem Langenargener Institut für Seenforschung und den Bodenseeschiffsbetrieben.
Vorträge, Videofilme, Ausstellungen, Faltblätter – die Wege, interessierte Fahrgäste über das Ökosystem Bodensee zu informieren, sind vielfältig. Zur Sprache kommen dabei nicht nur Felchen, Kolbenenten und Kormorane, sondern auch wasserchemische Grundlagen. Dazu zählen unter anderem die Nährstoffe im See, die ihm früher so zugesetzt haben, allen voran der Phosphor. Wie diese Bedrohung durch intensive Reinhaltemaßnahmen erfolgreich abgewendet werden konnte ist ebenso Thema wie die augenblicklichen Maßnahmen, die ökologische Situation am See weiter zu verbessern. Hierzu zählen insbesondere der Schutz naturnaher und damit besonders sensibler Uferbereiche und die Renaturierung unnatürlicher Uferzonen. Wegen des großen Erfolgs werden die schwimmenden Seminare fortgeführt.
 

Im Blickpunkt: Naturerlebnisseminare auf der „MS Stuttgart“                                   Foto: ISF
 
 
Kolloquium über den Bodensee
"Das Wasser ist ein freundliches Element für den, der damit bekannt ist und es zu behandeln weiß." Diese Erkenntnis von Johann Wolfgang von Goethe ist sozusagen das Leitmotiv des ersten Bodenseekolloquiums. Hierzu lädt der Veranstalter, die baden-württembergische Landesanstalt für Umweltschutz, die interessierte Öffentlichkeit am 23. März 2006 in das Langenargener Institut für Seenforschung ein. Das Ziel: aktiver Forschungs- und Wissenstransfer. Denn Wissen stellt die unerlässliche Basis dar, um den See wirkungsvoll zu schützen, Strategien für eine sinnvolle künftige Gestaltung und Nutzung des Sees zu entwickeln und Konflikte durch unterschiedliche Nutzungen des Sees und der Region aufzuzeigen.
Daher reicht der breit gefächerte Themenkatalog von der Frage, ob sich Vogelschutz und Baden widersprechen, bis hin zu den Lösungsansätzen für einen sanften Tourismus. Daneben werden auch handfeste Probleme für die Badegäste erörtert: Z. B. Bekämpfung der Bade-Dermatitis, oder mögliches Auftreten und potentielle Gefahren von Blaualgen (Cyanobakterien). Hinzu kommen weitere Problemfelder, wie die Einflüsse von Arzneimittelrückständen aus Kläranlagen in den Zuflüssen und mögliche Auswirkungen der Klimaerwärmung. Abgerundet wird die eintägige Veranstaltung durch eine Podiumsdiskussion über Zukunftsstrategien für den Bodensee.
 

Mögliche Folgen der Klimaerwärmung: niedrige Wasserstände wie im Sommer 2003.
Foto: Zintz