Der Bodensee als Weltkulturlandschaft?
Das imposante Kloster in St. Gallen ist bereits Weltkulturerbe, die Insel Reichenau mit ihren drei denkwürdigen Kirchen und Klosteranlagen ist es auch. Doch nicht nur diese beiden weltbedeutenden Kulturdenkmäler künden von der hohen historischen und kulturellen Bedeutung des Bodenseeraums, die sich von den Pfahlbauten der Steinzeit bis in die Neuzeit erstreckt. Hinzu kommt, dass es rund um den See international wertvolle Naturrefugien wie etwa das Wollmatinger Ried oder das Rheindelta gibt, die für den Naturschutz einen ebenso hohen Stellenwert besitzen.
Wegen der herausragenden Bedeutung des Bodensees für Kultur und Natur sowie aufgrund der vorbildlichen Bemühungen um den Schutz des Sees bietet sich dieses Gebiet als ,,Weltkulturlandschaft" - eine noch vergleichsweise junge Auszeichnung der UNESCO, der Kulturorganisation der UNO - geradezu an. Das Mittelrheintal zwischen Koblenz und Mainz, das Loiretal oder der Neuiedler See sind bereits als solche Gebiete von Weltbedeutung ausgezeichnet. Nun sind Bestrebungen im Gang, diese Auszeichnung auch für den Bodenseeraum zu erhalten.
Derzeit werden unter Federführung einer Projektgruppe beim Regierungspräsidium in Freiburg unter Leitung von Wilderich von Droste-Hülshoff zwei Expertisen erstellt: Über juristische Auswirkungen einer solchen Auszeichnung in den verschiedenen Anrainerstaaten und über wirtschaftlichen Folgen. Außerdem macht man sich schon Gedanken darüber, welche Gebiete aufgenommen werden könnten. Klar ist allerdings, dass es bis zu einem möglichen Antrag an die UNESCO ein weiter Weg ist, der von einem breiten politischen Konsens getragen sein muss, bei dem alle Beteiligten an einem Strang ziehen müssen und eine fundierte wissenschaftliche Begründung erforderlich ist.
Weltkulturerbe:
Pfarrkirche St. Peter und Paul in Niederzell, Insel Reichenau

Foto: Stanko Petek www.luftbild.de