Trinkwasser und Klimaerwärmung
Der heiße Sommer 2003 hat alle Rekorde gebrochen, auch bei der Wasserversorgung. Mit 139,8 Millionen Kubikmeter Wasser hat das größte Wasserwerk am See, die Bodensee-Wasserversorgung (BWV) in Sipplingen, die bisher höchste Wassermenge in ihrer Geschichte an ihre Mitglieder abgegeben. Befürchtungen, das Ökosystem des Sees könnte unter der Entnahme gelitten haben, zerstreut Prof. Hans Mehlhorn, der technische Geschäftsführer der BWV: ,,Selbst in den trockensten Zeiten war die Zuflussmenge in den Bodensee immernoch 30-mal größer als die Wasserentnahme durch die Bodensee-Wasserversorgung." Auch bei einer weiter fortschreitenden Klimaerwärmung, wie sie von Fachleuten prognostiziert wird, sieht Mehlhorn mengenmäßig kein Problem bei der Wasserentnahme.
Während man sich hinsichtlich der Quantität des zur Verfügung stehenden Wassers somit keine Sorgen machen muss, könnte die Klimaerwärmung jedoch durchaus Folgen für die Qualität des Roh-Trinkwassershaben, so Mehlhorn. Die Erklärung liegt im thermischen Verhalten des Sees: Fast das gesamte Jahr über ist der See an der Oberfläche wärmer als in der Tiefe. Lediglich im Winter - und hier oft erst im Februar - ist die Temperatur von oben bis unten gleichmäßig bei rund vier Grad Celsius. Dann erst kann der Wasserkörper zirkulieren - und nur in dieser Zeit wird lebensnotwendiger Sauerstoff in die Tiefe verfrachtet.
Wenn es nun wärmer wird, wächst die Gefahr, dass solche Vollzirkulationen und damit die notwendige Sauerstoffversorgung des Tiefenwassers immer seltener werden, weil sich die oberen Wasserschichten nicht mehr genügend abkühlen. Das aber hätte auch Folgen für die Wasserqualität. Der beste Schutz für den See: Ihn so wenig wie möglich mit Nährstoffen zu belasten. Vor allem wenn Phosphor nicht im Überflussvorhanden ist, wird das Wachstum der Kleinlebewesen - des Planktons - auf einem niedrigen Niveau gehalten. Dadurch hält sich auch der Sauerstoffverbrauch beim Abbau der toten Organismen in Grenzen - und das wiederum kommt dem See zugute.

Bodensee-Trinkwasser kann reichlich gefördert werden.                            Foto: BWV