Editorial
Stephan Müller,
IGKB-Vorsitzender. 
Die öffentliche Vorstellung der IGKBBilanz über Zustand und Zukunft des Bodensees im Juni ist auf eine große Resonanz in den Medien gestoßen. Das ist erfreulich, denn nur wenn die Menschen, die rund um den See wohnen, genau um den Zustand des Sees und die noch bestehenden Defizite Bescheid wissen, werden sie wirkungsvoll zum Schutz des Sees beitragen - denn bekanntlich schätzt man nur das richtig, was man kennt. Sowohl die IGKB-Bilanz als auch das im Juni 2004 tagende Symposium über den See haben aufgezeigt, dass in naher Zukunft noch eine ganze Reihe von Aufgaben vor der IGKB liegen. Um diese Probleme zu bewältigen - das hat schon Peter Michel, mein Vorgänger im Amt des IGKB-Vorsitzes, vor einem Jahr an dieser Stelle geschrieben - ist eine intensive Zusammenarbeit mit den am Bodensee tätigen Gremien erforderlich. Es gilt, so lautete Michels Fazit, Verbündete mit an Bord zu nehmen und gemeinsame Anliegen mit vereinten Kräften abzuarbeiten. Das Hauptziel der IGKB in den kommenden Jahren ist es, diese neuen Herausforderungen mit Elan und Nachdruck anzugehen.
Um die gesteckten Ziele zu erreichen - und dazu zählt insbesondere der Schutz und die Verbesserung der Flachwasserzone - ist darüber hinaus nicht nur eine Zusammenarbeit sowohl mit den Naturschutzorganisationen erforderlich, sondern auch mit den Vertretern der Nutzerinteressen. Wir wollen uns mit den Fischern und Anglern, der kommerziellen Fahrgast- und Transportschifffahrt, vor allem aber auch mit den Vertretern der individuellen Freizeit- Schifffahrt zusammensetzen. Der hohe Erholungswert eines intakten Sees begründet sich neben einer guten Wasserqualität gerade auch mit dem hohen Erlebniswert natürlicher oder naturnah gestalteter Ufer. Deshalb ist dieses Ziel auch für die Freizeitkapitäne auf dem Bodensee von einleuchtender Bedeutung.
Um so unverständlicher ist die immer wieder zu konstatierende negative Reaktion von Interessensvertretern der Sportschifffahrt auf die Ziele der IGKB. Ob es um die zum Erhalt der Wasserqualität dringend erforderliche Begrenzung der Abgasemissionen von Schiffsmotoren oder um die von Seenfachleuten geforderte Verbesserung und den Schutz der Flachwasserzone geht - diese Akteure nutzen immer wieder die Gelegenheit, im eigenen, vielleicht auch im Interesse ihrer Kundschaft gegen die Arbeit der Kommission mit fragwürdigen Argumenten anzugehen. Die IGKB wird - unabhängig von solchen Reaktionen - auch in Zukunft zielstrebig die gemeinsamen Anliegen mit vereinten Kräften vorantreiben. Der Schutz des Bodensees und damit auch der Erhalt seines hohen Freizeitwertes ist ein solches gemeinsames Anliegen sowohl der IGKB als auch der Sportschifffahrt. Wir dürfen jetzt nicht stehen bleiben, sondern müssen das erarbeitete und priorisierte Aktionsprogramm umsetzen. Nur damit kann der Zustand eines möglichst intakten Ökosystems erreicht und die Gesundung des Sees weiter vorantreiben werden. Und das bedeutet, dass zum einen die Anstrengungen zur Gewässerreinhaltung genauso wichtig sind wie andere Maßnahmen zur Stärkung des Ökosystems, wozu vor allem der Schutz und die Verbesserung der wertvollen Flachwasserzone zählt.
Es freut mich sehr, in dieser engagierten Kommission mitzuwirken, und ich hoffe, dass wir durch eine ganzheitliche Betrachtung des Bodenseeeinzugsgebietes tragfähige Lösungen für alle Beteiligten erarbeiten.

Stephan Müller, Bundesamt für Umwelt, Wald und Landschaft in Bern, Vorsitzender der IGKB.
 
01.12.2004
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