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| Krebs, Muschel und Co: Neuankömmlinge erobern mit Macht den Bodensee
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| Exotische Tier- und Pflanzenarten aus
aller Welt erobern Deutschland in
einer beeindruckenden Fülle und
Geschwindigkeit. Sie machen auch
vor dem Bodensee nicht Halt. Nach
der Invasion der Dreikantmuschel
Dreissena wandern nun weitere Arten
in den See ein. Mit einem Forschungsprogramm
wird ihr Invasionszug verfolgt.
Außerdem sollen Strategien zur
Abwehr entwickelt werden.
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Die Körbchenmuschel Corbicula fluminea |
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Die Biologen haben ihn Dikerogammarus
villosus getauft, sein deutscher
Name ist Großer Höckerflohkrebs.
Typische Kennzeichen des bis zu zwei
Zentimeter großen Krebschens sind
seine wespenartige Zeichnung und
die stark behaarten Fühler. Wer ihn
sehen will, muss am Ufer Steine
umdrehen: Sein typischer Lebensraum
ist die Steinunterseite - dort sitzt er
teilweise in beeindruckender Dichte.
Am Bodensee ist er ein Neuankömmling,
erstmals gefunden wurde er im
Jahr 2003. Seither hat er sich ordentlich
ausgedehnt: Nachdem er den
gesamten Überlinger See erobert hat,
ist er gerade dabei, in den Konstanzer
Trichter einzuwandern. Auch am
Nordufer breitet er sich weiter gen
Osten aus, mittlerweile hat er bereits
Hagnau erreicht.
Szenenwechsel zum zweiten
wichtigen Einwanderer, der Grobgerippten
Körbchenmuschel mit dem
hübschen lateinischen Namen Corbicula
fluminea. Wie der Höckerflohkrebs
wurde auch sie erstmals im vergangenen
Jahr im Bodensee gesichtet.
Allerdings erobert sie den See von der
anderen Seite, also vom Vorarlberger
Ufer her (Bereich Rohrspitz an der
Rheinkanalmündung). Bis zu drei
Zentimeter wird die unscheinbar gelbe
bis braune Muschel groß, ihren
Namen hat sie von den ausgeprägten
Rippen auf den Schalenhälften.
Während Dikerogammarus auf - oder
besser unter - Steinen lebt, bewohnt
Corbicula hauptsächlich sandige und
schlammige Uferbereiche.
Eigentlich wäre ja nichts gegen
solche neu einwandernde Tierarten zu
sagen. Schließlich hat es Invasionen
aller Art schon immer gegeben. Dies
gehört sozusagen zum natürlichen
Lauf der Dinge. Problematisch werden
solche Invasionen vor allem dann,
wenn sie vom Menschen verursacht
werden - und das ist heute leider beinahe
zur Regel geworden. Bei
Gewässern ist dabei die Gefahr der
Einschleppung durch so genannte
"Wanderboote" besonders groß, die
schlecht oder gar nicht gereinigt und
mit Wasserresten an Bord in den See
gelangen. Auch Aquarianer, die wenig
verantwortungsbewusst ihre Aquarien
samt Inhalt direkt oder via Kanalisation
in den Bodensee oder in eines
der vielen Stehgewässer im Einzugsgebiet
entsorgen, sind eine potenzielle
Gefahrenquelle.
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Munteres Treiben: Höckerflohkrebse besiedeln
einen Stein. Fotos: Rey |
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Die Folgen für die einheimischen
Arten sind oft genug gravierend.
Beispielsweise verdrängt der Höckerflohkrebs
viele andere wirbellose Tiere
auf dem Seeboden. So liegen die Besiedelungsdichten
von Dikerogammarus
deutlich über den früher beobachteten
Werten ähnlicher Arten wie
dem ebenfalls zu den Flohkrebsen
gehörenden Gammarus roeseli.
Und über die vielfältigen Probleme,
die sich durch die massive Einwanderung
der Dreikantmuschel in
den See ergeben haben, ist seit 1966,
dem Beginn der Invasion, viel berichtet
worden. Die Folgen reichen von
ökologisch gravierenden Artenverschiebungen
auf vielen Ebenen bis hin
zu wirtschaftlichen Schäden, weil beispielsweise
Entnahmepunkte der
Trinkwasserversorgung förmlich mit
Muscheln "zuwachsen".
Doch es sind nicht nur die beiden
recht aggressiven invasorischen Arten
Dikerogammarus und Corbicula, die
den Biologen Sorgen bereiten. Weitere
Arten stehen sozusagen vor der Tür,
weil sie beispielsweise den Rhein aufwärts
wandern. Derzeit dokumentieren
Biologen aus Konstanz unter
Koordination des Langenargener
Instituts für Seenforschung in einem
mehrjährigen Forschungsprogramm
die Ausbreitung neuer aggressiver
Arten und vor allem der beiden Neuankömmlinge
Höckerflohkrebs und
Körbchenmuschel im See. Sie bitten
um Mithilfe bei der Suche - und um
eine E-Mail, wenn der Krebs außerhalb
des Überlinger Sees oder die
Muschel irgendwo am Ufer gefunden
wird: p.rey@hydra-institute.com.
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Der Höckerflohkrebs Dikerogammarus villosus |
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| 1.12.2004 |
| Additional Keywords: DATE0203 AUSGABE20 |
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