Auch eine Mauer hält nicht ewig
Doch renaturierte Ufer trotzten selbst dem Jahrhunderthochwasser
Hochwasser und Sturm – das ist eine wahrhaft brisante Mischung. Wie brisant zeigte sich während des Pfingsthochwassers im vergangenen Jahr, als am 2. Juni 1999 zusätzlich zum hohen Wasserstand noch ein Sturm mit maximaler Windstärke von 11 bis 12 aus SW die Situation am Nordufer des Obersees dramatisch verschärfte. Bei einem Wasserstand von 5,50 Meter führten Wind und die vom Sturm aufgepeitschten, teilweise meterhohen Wellen zusammen mit dem im Wasser treibenden Holz, vor allem im Bereich des Seehags, zu Schäden – so zum Beispiel am Tunauer Strand. Doch auch die dahinter liegenden Naturschutzgebiete blieben nicht gänzlich ungeschoren.
Vom Hochwasser zerstörte Mauer in Langenargen. Foto: Sießegger
Weitaus gravierender jedoch waren die Folgen für unnatürliche Uferbefestigungen. So wird im „Erfahrungsbericht zum Hochwasser 1999“, den die Internationale Gewässerschutzkommission für den Bodensee jetzt veröffentlichte, vor allem über große Zerstörungen an senkrechten Ufermauern berichtet. Im Bereich Langenargen beispielsweise beschädigten die Wellen Ufermauern auf viele Meter Länge ziemlich stark.
Verschärft wurden die Probleme durch auf die Mauern ungebremst prallenden Wellen, wodurch große Wassermassen über die Mauern in die dahinter liegenden Gebiete schwappten. Etliche Keller liefen nur aus diesem Grunde voll.
Doch das außergewöhnliche Hochwasser brachte auch erfreuliche Erkenntnisse mit sich, zumindest für all diejenigen Gewässerschützer, die sich in der Vergangenheit für eine Renaturierung der Bodenseeufer stark gemacht haben: So zeigten sich nach dem Ablaufen des Wassers an natürlichen oder renaturierten flachen Uferbereichen keine oder allenfalls geringe Veränderungen. Der Grund: selbst hohe Wellen laufen an solchen Ufern langsam und damit vergleichsweise harmlos aus, ein schadensträchtiger „Überstau“ wie an senkrechten Mauern ist nicht möglich. Lediglich an manchen Schilfschutzzäunen kam es durch Treibholz zu Schäden, wobei diese Zäune auch nicht für solche Belastungen ausgelegt sind.
Die Konsequenzen sind eindeutig: Auch in Zukunft sollten die bereits begonnenen Uferrenaturierungs-Programme wie beispielsweise bei Hagnau (siehe nächste Seite) weitergeführt, also möglichst viele verbaute Ufer in einen naturnahen Zustand zurückversetzt werden.
23.5.2000
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